Soorsischliifer

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Wo Stöcke bis zur Daube fliegen

 

In Fleecehosen und blauen Teamjacken strömen sie auf die Fläche. Schwere Schuhe mit fein gerilltem Profil geben den Spielern Halt. Das Eis unter ihren Füssen ist dick beschichtet, so dass die Spielfeldlinien kaum mehr sichtbar sind. Für die Schliifer kein Problem, sie kennen ihr Feld auswendig. 28 Meter lang, drei Meter breit, die Daube liegt auf dem Mittelkreuz. «Es sind - 5 Grad Celsius», sagt Robert Dickerhof, Präsident des Eisstockclubs Soorsischliifer Sursee. Das Eis ist hart und unnachgiebig, ideal für den Eishockey. «Zu kalt für den Eisstocksport.» Doch die Schliifer sind dankbar für die Trainingsfläche in der Eishalle. Über zehn Jahre trainieren sie schon dort. Seit 2007 offiziell als Mannschaft. Gegründet wurde der Verein von Ehrenpräsident Gody Marbach. Dieser übergab 2012 an Robert Dickerhof.

Schweizweit existieren 28 Eisstock-Vereine, die dem Schweizerischen Eisstockverband angeschlossen sind. Eine schrumpfende Zahl, denn die Mietkosten der Eishallen sind hoch und die räumlichen Kapazitäten oft ausgelastet. Es kommt zu Fusionen unter den Clubs. So auch bei den Soorsischliifern, die 2017 den Eisstockclub Trimbach aufnehmen. An Mitgliedern mangelt es nicht, so Dickerhof. Im Gegenteil, die Zahlen seien über die Jahre gestiegen. Zurzeit zählt der Club 60 Mitglieder. Davon trainieren 39 aktiv, die anderen spielen zum Plausch. Dennoch sieht Robert Dickerhof ein Nachwuchsproblem. Aktuell spielt 1 Junior in der A- und B-Liga der Soorsischliifer. Der jüngste Spieler ist 22 Jahre alt. Obwohl es ein Sport für jedermann ist, liegt das Durchschnittsalter im oberen Bereich. «Wir versuchen mit Schnuppertrainings Jugendliche für den Sport zu begeistern», sagt er. «Die meisten haben Spass daran. Doch für einen Beitritt reicht es meistens nicht.» 

Beim Training stehen dem Club vier Felder zur Verfügung. Auf zweien trainieren die Soorsischliifer, auf den anderen zwei spielt eine Gruppe Männer, die sich an jenem Abend im Eisstocksport ausprobieren will. Regelmässig begleitet Robert Dickerhof Gruppen beim Schnuppertraining auf dem Eis. 

Peter Weber schwingt den Stock wie ein Pendel hin und her. Sein Blick ist auf die Daube geheftet. Ein blaues Airbrushmuster ziert den Körper seines Eisstocks. Am Rand kauert eine schwarze Spinne. Ein letztes Mal holt er mit links aus und lässt den Stock über die Eisfläche fliegen. Sein Stock schiebt den eines gegnerischen Teams zur Seite. Sein Team geht in Führung. «Tarantel» nennt er seine Scheibe. Ein Andenken an seinen alten Club in Trimbach. «Wir hatten alle so eine», sagt er. Es sei schade, dass sich der Club aufgelöst habe. Aber es hätte einfach nicht mehr rentiert. Am Schluss seien sie nur noch zu viert gewesen.

1986 hat er mit dem Sport angefangen. Seine Brüder haben ihn damit bekannt gemacht. «Damals fühlte ich mich von der Arbeit überlastet», sagt er. Der Eisstocksport habe ihm geholfen, rauszukommen, Abwechslung in den Alltag zu bringen. 

Sechs Kehren gibt es in einem Spiel. Die vier Spieler einer Mannschaft machen einen Zug, dann wird die Spielfeldseite gewechselt. Ziel ist, den Eisstock nahe bei der Daube zu landen. Ähnlich wie beim Curling. 

Sieben Stunden dauern die Wettkämpfe im Eisstocksport. Früher hätte es sogar zehn Stunden gedauert, bis alle Teams gegeneinander gespielt hatten. «Da kann einem schon der Arm abfallen», sagt Robert Dickerhof. Ziel sei zu gewinnen, doch die Freude am Spiel habe einen ebenso hohen Stellenwert. 

Im Mai sind die Soorsischliifer Gastgeber eines internationalen Eisstocksportturniers. «So ein Heimturnier erlebt man nicht alle Tage», sagt Dickerhof. Zu Gast sein werden Clubs aus der ganzen Schweiz sowie dem angrenzenden Ausland. Ebenso besonders ist die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Eisstockverbands, die am 25. Mai in Sursee stattfinden soll. «Ein einmaliger Anlass», so Dickerhof. Im April wechseln die Schliifer vom Eis wieder auf den Asphalt.  

Die Spielfeldseite wird gewechselt. Das Team von Peter Weber liegt in Führung. «Kraft braucht es nicht», sagt er. «Der Schwung ist was zählt.» Er führt die Bewegung vor, zeigt wie man sich mit dem Fuss richtig abstösst. Die Mannschaft sei froh um einen «geborenen Linkshänder» wie ihn. «Das ist praktisch, wenn wir mit den Stöcken links vorbei müssen», sagt er. Obwohl er als Kind zum Rechtshänder umerzogen wurde, könne er mit der Hand keinen Treffer erzielen. Gut habe man ihm den Linkshänder nie ganz austreiben können.

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